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Segelplastiken als Naturale Skulpturen
Meine Windplastiken stellen auf dreifache
Art ein Passepartout her:
- für die Natur und die Kreationen der Natur wie z. B. naturbelassene Bäume
mit ihrem filigranen Geäst;
- für die Menschen und
deren Aktionen innerhalb der begehbaren und benutzbaren Windobjekte;
- gleichzeitig erfährt
man Skulptur nicht nur als Volumen von außen, sondern durch be“greifen“ und
beschreiten auch als erlebbaren Innenraum, als Interieur;
- für den Raum an sich
– gemeint ist sowohl der umschlossene Raum wie die Distanz zwischen
Betrachter und Natur/Segelplastik-Objekt wie aber auch die Raumbezüge
innerhalb der Naturgegebenheiten, das heißt dem Raum zwischen dem
graphischen Gewebe der Zweige und dem plastischen Volumen des Stammes.
Was für den Naturraum
gilt, erfährt man gleichermaßen auch im Bezug auf gebaute Architektur.
- Der Gedanke wird
besonders plastisch in der Gegensätzlichkeit zwischen einer gerasterten,
genormten, phantasielosen Betonfassade nebst den mit immer gleichem Rapport,
wie maschinell ausgestanzt wirkenden Fensterhöhlungen unserer
zeitgenössischen Architektur und dem bewegten archaischen Transparentgebilde
davor, das trotz sichtbarer Zerbrechlichkeit seiner filigranen Konstruktion
den Menschen Raum bietet, Schutz vor Wind und Wetter und damit sogar an
diesem künstlichen, sonst jede Kommunikation fliehenden Ort zum Verweilen
einlädt. Dabei ist das einzige Stückchen Natur, das die das die
Betongiganten übrig gelassen haben, aus der Zeltkonstruktion eingespart, um
das lebenswichtige Naß ungehindert einwirken zu lassen – aber dennoch in die
Windplastik mit eingezogen, allerdings zur Sichtbarmachung des gestörten
Verhältnisses gebauter Architektur zur gewachsenen Natur – ironisch
verfremdet worden: - zur „Natur in Aspik“ . Damit die Zeitgenossen sich
dessen bewusst werden, was sie noch an Naturrefugien besitzen, werden diese
durch ein Passepartout, einen Rahmen sichtbar gemacht; um den Menschen
sensibler zu machen für die Folgen seines Handels, werden diese letzten
Inseln durch die weißen Segelzeichen passepartoutiert, sowohl als bewegliche
Großplastik -, die, fällt das Licht von Außen auf die Stoffbahnen,
voluminös, kompakt und zeichenhaft erscheint, die jedoch transparent, bewegt
und geheimnisvoll wirkt, wenn das Licht milde von Innen heraus leuchtet, als
auch als Mahnmal und Erinnerungszeichen für humanes Handeln: als NATURALE
SKULPTUR.
Im gleichen Sinne sind
auch die anderen hier gezeigten Arbeiten zu verstehen: als urbane Plastiken.
Die Beschreibung des
mutwilligen Abrisses eines Kulturdenkmals und die künstlerische Verfremdung
dieser Bestandsaufnahme dient ebenso dem Aufzeigen und Verdeutlichen
sozialer Räume und Handlungen – die graphische Umsetzung gehorcht dabei den
gleichen oben geschilderten Intentionen und plastischen Gesetzmäßigkeiten.
Auch hier wechselt formal das Großvolumige mit dem filigranen graphischen
Detail und gibt Zeugnis ab von der speziellen Sehweise in meiner
künstlerischen Arbeit.
März
1982, Dierk Engelken
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